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Presseaussendung zur Ausstellung "Konvolute - Mappenwerke 1956-2011"

31.01.2012

[Archiv News & Presse]

Presseaussendung zur Ausstellung "Konvolute - Mappenwerke 1956-2011"

Ausstellungstitel: Konvolute-Mappenwerke 1956-2011
Ausstellungsdauer: 08.03.-08.06.2012
Ort der Ausstellung: Galerie Weihergut, Biberngasse 31, 5020 Salzburg
Geänderte Öffnungszeiten: DI-FR 11-18 Uhr

Ansprechpartner bei Fragen und für Bildmaterial: Mag. Michael Karrer, MBA cam@weihergut.at, Tel. (FN): 0662-821830, Tel (Mobil): 0664-311 4111 oder Mag. Julia Kuon, BA office@weihergut.at


Download Pressemitteilung:
Pressemitteilung_Ausstellung_Mappenwerke.doc
Pressemitteilung_Ausstellung_Mappenwerke.pdf
Pressemitteilung_Ausstellung_Mappenwerke.txt


Download Bilder:
Aus der 5-teiligen Mappe „Saint François d`Assise“: Hermann Nitsch „O.T.“, Mixed Media, 2011, 50 x 35 cm (1 MB)
Aus der 8-teiligen Mappe "Nächst St. Stephan": Arnulf Rainer "Grabfigur", Radierung, Auflage 12 Exemplare, 1956, 52 x 37 cm (430 KB)
Aus der 8-teiligen Mappe "Minotaurus": Jannis Kounellis, "O.T.", Serigrafie, Auflage 25 Exemplare, 2003, 105 x 75cm, (450 KB)

Nähere Informationen zur Ausstellung:
Ein Mappenwerk bietet die optimale Möglichkeit für einen Künstler, seine Impressionen zu einem Inhalt ganzheitlich zu vermitteln. Hubert Schmalix (geb. 1952/Graz) beispielsweise erzählt auf 8 Blättern der Mappe „Orpheus und Eurydike“ die tragische Liebesgeschichte dieser beiden mythologischen Figuren nach. Die Einzelblätter sind in Schwarz-Weiß gehalten und zeigen keine Handlung im engeren Sinne, sie beschränken sich meist auf einzelne statische Bildsujets. Die Kenntnis der Geschichte durch den Betrachter wird vom Künstler vorausgesetzt, um den Bezug der einzelnen Blätter zueinander zu verstehen.

Auch Jannis Kounellis  (geb. 1936/Piraeus) setzt sich in seinem Oeuvre immer wieder mit der Mythologie auseinander.  Das Mappenwerk „Minotaurus“ hat jedoch nicht, wie bei Schmalix, die Illustration einer Legende – in diesem Fall jene über den Stiermenschen, der im Labyrinth des König Minos auf Kreta haust - zum Ziel.  Stattdessen greift Kounellis, wie schon für eine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie Berlin im Jahr 2007/2008, das legendäre Labyrinth als Symbol der Geschichte heraus und entwickelt Variationen dieses wahrscheinlich niemals existenten Baus.  Jeder der Siebdrucke lädt den Betrachter dazu ein, seinen Blick in der Komposition schweifen zu lassen und zu sehen, wohin das Labyrinth seine Gedanken leitet.

Der Wiener Aktionist Hermann Nitsch (geb. 1938/Wien) hat sich in der Vergangenheit bereits häufiger mit der Zusammenstellung von Mappenwerken beschäftigt. Zuletzt entstand im Zuge der Inszenierung von Olivier Messiaens Oper „François d`Assise“, die Nitsch im Rahmen der Münchner Opernfestspiele 2011 an der Bayerischen Staatsoper leitete, eine Mappe, deren Ziel es ist, die Atmosphäre der Messiaen-Oper zu vermitteln. Sie enthält je ein Samtbild und eine Druckgrafik, die 2011 eigens geschaffen wurden, sowie 3 Aktionsfotos aus der 1., der 100. und der 122. Aktion. Bei den  Aktionsfotos wählte Nitsch Aufnahmen, die Teilnehmer des OMT an Kreuze gebunden zeigen und nimmt damit Bezug auf die überlieferte Stigmatisation des Heiligen Franz. Auch die Grafik und das Samtbild haben sakralen Charakter, bei ersterer wurde eine Radierung über einen Christuskopf gedruckt und das Samtbild enthält Elemente der kirchlichen Liturgie, wie Wachs oder Kaselteile.  

Nicht um die künstlerische Interpretation einer christlichen oder mythologischen Erzählung  geht es Günter Förg (1952/Füssen) in seinem Mappenwerk „To the builders“ aus dem Jahr 2002. Dieses enthält Siebdrucke, in denen sich der deutsche Künstler mit einem wichtigen Element seines Oeuvres, dem Fenster als Symbol für die Beziehung von Innen und Außen, auseinandersetzt. Dem Fenster wird auf einigen Blätter ein Gitter vorgestellt, was den Gegensatz von Drinnen und Draußen, von Freiheit und Eingeschlossenheit zum Thema des Mappenwerkes macht. 

Auch Erwin Bohatsch (geb. 1951/Mürzzuschlag) greift in der Mappe „Weiche Zonen“ auf ein zentrales Element seines Oeuvres zurück. Er überträgt die Methode des sogenannten Color field painting - eine Technik, bei der in monochrom wirkenden Gemälden Farbbahnen, Schleier oder Schlieren aufgetragen  werden -  von der Malerei auf die Grafik. Bei den in Schwarz-Weiß gehaltenen Einzelblättern wird durch den geschickten Umgang mit Hell und Dunkel der Eindruck von Lichteinfall und Schatten bewirkt. Die fließenden Formen unterstützen in besonderer Weise den, wie der Titel schon sagt, weichen Charakter der Kompositionen.

Ebenso wie Bohatsch konzentrierte sich Jaume Plensa (geb. 1955/Barcelona) bei der Konzeption des Triptychons „ABC“ – dreier Arbeiten zur Menschenrechtskonvention – auf einen wichtigen Punkt in seinem Werk. Auf den ersten Blick erkennt der Betrachter auf den Einzelblättern jeweils ein etwas in die Länge gezogenes Gesicht. Bei näherer Betrachtung jedoch sieht man, dass das Papier mit Schriftzeichen geprägt ist. Die Verwendung von Buchstaben und Schrift ist ein typisches Merkmal des Künstlers. Mit diesen Elementen versucht er, ohne dass sich konkret lesbare Worte oder Sätze ergeben, den Zusammenhang von Spiritualität und Materie, von körperlicher und geistiger Sphäre des Menschen in seiner individuellen wie kollektiven kulturellen Vielgestaltigkeit zu visualisieren.
Wie bereits oben erwähnt können Mappenwerke auch aus Arbeiten verschiedener Künstler zusammengestellt werden. Dies gilt beispielsweise für das früheste in der Ausstellung präsentierte Mappenwerk, die Mappe „Nächst St. Stephan“ aus dem Jahr 1956. Diese enthält je zwei Radierungen der Künstler Markus Prachensky (geb. 1932/Innsbruck, gest. 2011), Josef Mikl (1929/Wien-2008), Arnulf Rainer (geb. 1929/Baden) und Wolfgang Hollegha (geb. 1929/Klagenfurt), die im Jahr 1956  unter der Leitung von Monsignore Otto Mauer, einem entscheidenden Förderer der österreichischen Avantgarde, die Malergruppe „Galerie St. Stephan“ bildeten. Ganz im Sinne der informellen Kunst, handelt es sich bei den einzelnen Grafiken um abstrakte Formvariationen und Fantasiegebilde. Die Mappe als Gesamtheit ermöglicht einen Einblick in das österreichische Informel und in die künstlerische Herangehensweisen seiner wichtigsten Vertreter.

Die „Ö1 Grafikmappe III“ ermöglicht nicht, wie die die Mappe  „Nächst St. Stephan“, eine Betrachtung der Herangehensweise einer bestimmten Kunstströmung, sondern schafft sogar einen Überblick über die druckgrafische Arbeit einer ganzen österreichischen Künstlergeneration. Als letzte von drei durch den Radiosender Ö1 verlegten Grafikmappen, von denen die erste den Stars der österreichischen Kunstszene (2007) und die zweite den Mid-Career-Artists (2008) gewidmet war, enthält die dritte Mappe aus dem Jahr 2010 Druckgrafiken der sogenannten „Generation Now“. Sie umfasst Arbeiten von 12 Jungstars, mitunter Documenta Kassel und Biennale Venedig TeilnehmerInnen, welche schon heute sehr erfolgreich in der Kunstwelt reüssieren. Die Mappe zeigt besonders die Präferenzen dieser Künstlergeneration hinsichtlich verwendeter Drucktechniken und Farbigkeit. Auffallend ist hierbei die verhältnismäßig häufige Anwendung der Polymer Heliogravüre -  einer Technik, welche die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Fotos mit der Ästhetik einer Druckgraphik verbindet -  sowie die reduzierte Farbigkeit bis hin zu Schwarz-Weiß.

Bei der Ausstellung „Mappenwerke 1956-2011“ soll der Betrachter den Unterschied zwischen der Betrachtung eines einzelnen Kunstwerkes und der Betrachtung einer Gesamtheit von zusammengehörigen Werken erfahren. Zusätzlich zur Bedeutung eines jeden Einzelblattes in einer Mappe entsteht durch die Zusammengehörigkeit der Arbeiten zueinander eine übergeordnete Sinnebene, die erst durch Betrachtung der Einzelblätter in ihrer Gesamtheit als Mappenwerk erschlossen werden kann.


 




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